cocoon Geflüster
Sweet 40
Kann und darf Frau noch sexy sein oder sich toll fühlen, wenn sie die magische „40“ überschritten hat? Wir meinen - aber immer doch!
Gerade diese Frauen wissen: Frau ist (nur!) so alt, wie Frau sich auch fühlt. Basta! Blutjunge Mädels können uns nicht das Wasser reichen. Erotik und Schönheit? Die strahlen wir von innen aus.... Oder
So jedenfalls spricht unser Verstand, unsere selbstbewusste Seite. Aber darunter purzeln uns Bilder und Bewertungen entgegen. Gedanken- und Gefühlsschichten überlagern sich, wie die Schalen einer Zwiebel. Schält man sie ab, kommt viel Widersprüchliches ans Licht. Tja, und auch manches Unangenehme.
So z.B. der Kommentar einer pubertierenden Göre: „Geht’s noch?.. in dem Alter noch so einen kurzen Rock zu tragen?“ Die will wohl krampfhaft Männer anbaggern.“ Oder, nach einer Anprobe im gnadenlosen Licht einer Umkleidekabine, einen schrägen Blick auf das Werbeplakat schickend - und was sehen unsere geschulten Augen? Glatte endlose Beine, enger Mini mit genau den Rundungen, die Männerblicke (und offenbar auch unsere eigenen) anziehen, glänzende Lippen, leicht geöffneter Mund, etwas Wildes in den Augen... Unser Blick sagt: Du Luder! Unser Verstand wettert: „Ist doch alles retuschiert, keine Frau sieht wirklich so aus!“ Aber der Kampf gegen die inneren Vergleiche und Bewertungen ist schon verloren. Vor unserem inneren Auge steht unser eigenes Spiegelbild grell beleuchtet im zu knappen Bikini neben der Plakatschönheit. Sonnenklar, wer hier sexy ist - und wer nicht…
Sicher doch - berühmte Frauen werden „mit den Jahren“ immer schöner. Männer schätzen ihre reife Erotik – sagen sie jedenfalls… wenn sie in weiblicher Begleitung „über 40“ sind. Aber Wissen ist eben das eine, innere Stimme und visuelle Bilder das andere. Und wir wissen genau – die sind oft viel mächtiger. Nein, mit inneren Kämpfen kommen wir nicht weiter.
Bei der Frage, ob Frau, ob man selber jenseits der 40 noch sexy ist, müssen sich Verstand, Gefühl und Körper gegenseitig an die Hand nehmen. Behutsame Annäherung braucht es und ein Herz für sich selber – und zuallererst mal eine ordentliche Portion Skepsis! Denn wofür steht eigentlich dieses Wort „sexy“? Wer hat es erfunden? Mann oder Frau? Und wozu? Wanngilt eine Frau als „sexy“? Immer nur, wenn sich Männer von ihr „angemacht“ fühlen? Wollen Frauen das? Will ich das...?
Was verbinden Männer mit dem Wort? Was Frauen? Fragen über Fragen. Offenbar geht es aber immer um etwas Äußeres, um Wirkung und bestimmte Vorstellungen von Weiblichkeit. Die mögen sich von Jahr zu Jahr verändern, aber Busen, Kurven, Straffheit, etwas Aufreizendes, die Lust auf Sex – all das gehört wohl irgendwie dazu – in jedem Alter. Und Falten, Flecken oder die gefürchtete „Cellulite“ – wohl eher nicht… Und dann ist da, unauffällig und heimtückisch, das Wörtchen „noch“. Steckt dahinter die Annahme, dass man sich mit 18, 20 oder gar 30 selbstverständlich sexy fand. Sind gar alle Frauen „unter 40“ fraglos sexy – und fühlen sie sich auch so?
Fragen Sie doch mal junge Frauen, wie sie sich selber finden. Vermutlich werden viele antworten, dass sie zwar sehr gerneattraktiv und sexy wären, sich aber weit entfernt davon fühlen, weil ihr Körper so gar nicht den gängigen Vorstellungen entspricht – so sehr sie sich auch bemühen. Ich selber fand mich mit 20 oder 30 mega sexy, doch wenn ich mir Bilder von „damals“ ansehen, sehe ich die Unsicherheit, die Unreife, das gestellte jedoch fehlende Selbstbewusstsein. Heute dagegen, fühle ich mich ganz und gar als tolle Frau und mit einer Attraktivität, die viel mehr umfasst, als nur das Äussere. Und ich denke, dass ich das auch ausstrahle.
Wir finden also: Die Frage „Noch sexy über 40?“ - sie führt geradewegs aufs Glatteis. Geht es uns wirklich darum, etwas für andere darzustellen und auf andere zu wirken? Klar! Es fühlt sich gut an, sich attraktiv zu finden. Und Komplimente können sehr beflügeln. Aber rund und vollständig wird das Gefühl erst, wenn es mit unserem Inneren, mit einem selber verbunden und von einem inneren körperlichen Gleichgewicht gezeichnet ist.
Genau um diese Verbindung, dieses Fühlen und das innere Erleben geht es uns. Ich finde es wunderbar, mich ganz und gar als Frau zu spüren und zu fühlen. Genauso, wie mit meinem Herzen, meinen Gefühlen und meiner Kraft. Zu Hause in meinem weiblichen Körper. Angekommen bei mir selber. Es ist ein tief empfundenes „Ja“ dazu, wie ich bin. Ich muss keinem Bild nacheifern, nicht anders sein wollen, als ich jetzt bin - nicht klapprig, faltenfrei oder wilder. Und auch nicht jünger. Dafür wünschen wir uns auch andere, vielleicht neue Worte.
Sexy, ja. Aber wir möchten auch eine Attraktivität haben, die nicht nur vom Äußeren abhängt, sondern auch mit dem inneren verbunden ist; mit inneren Qualitäten, wertvollen Eigenschaften, mit dem Alter, Erfahrungen – eben mit allem, was Frauen zum Strahlen bringt, wenn sie sich einfach in ihrer Haut wohl fühlen. Unsere Sinnlichkeit und Sexualität, unser Körper und unser Äußeres – all das gehört zu unserer Weiblichkeit. Aber eben auch noch so vieles mehr!
Dieses In-mir-selber-Wohnen – es kommt nicht von alleine. Nicht in unserer Welt der mächtigen Bilder, des Wettbewerbs und der Konkurrenz unter Frauen. Nicht in einer Medienlandschaft, die uns immer penetranter und subtiler auffordert, Falten und Körperhaare noch heftiger zu bekämpfen, Männer noch raffinierter zu verführen, noch gesünder zu essen... uns noch mehr anzustrengen für ewige Schönheit und Jugend.
Was also können wir tun, um endlich Ruhe zu finden und uns mit unserem „Alter“ anzufreunden? Es ist wohl eine sehr persönliche Reise, die jede Frau dafür antreten muss. Eine Reise, während der man bereit sein muss, immer genauer in sich rein zu spüren, sich mit sich selber auseinander zu setzen, mit seiner Geschichte, seinen Sonnen- und Schattenseiten, seinen Krisen und auch seinen Sehnsüchten. Das ist eine Reise, von der wir glauben, dass sie nie zu Ende geht. Sie führt durch die
verschiedensten Phasen, durch Höhen und Tiefen.
Wenn wir uns selber dabei finden und lieben, dann gehen wir wie ein geschliffener Edelstein daraus hervor. Und die sind ja bekanntlich die Wertvollsten. Der Weg dahin verbindet uns mit einer eigenen, sehr persönlichen Attraktivität und Schönheit. Und er beginnt im Körper.
Üben wir also! Zeigen wir dem Älterwerden einfach die kalte Schulter! Und üben wir, immer mehr wahrzunehmen, was unser Körper braucht, und was ihm wirklich gut tut – jenseits aller visuellen Botschaften. Welcher Rhythmus von Ruhe und Aktivität entspricht mir? Welche Bewegungen schenken mir Wohlgefühl – unabhängig von den neuesten Hightech-Foltermaschinen im Fitness-studio? Welche Ernährung macht mich glücklich? Welche Beziehungen tun mir gut? Erobern wir uns einfach unseren Körper zurück! Und dann sind da noch all die Fragen, die – auch – unser Äußeres betreffen: Wie sehe ich mich selber? Was ist das Besondere, Unverwechselbare an mir? Welche Farbe im Regenbogen aller Frauenfarben ist meine? Auf welche Weise spiegelt mein Körper mein bisheriges Leben? Was sind die Spuren der vergangenen Jahre, meines Lebens? Wie kann ich sie mit Stolz und Freude, Würde und Humor tragen? Und wie möchte ich all das nach außen hin ausdrücken? Mit welcher Kleidung, welcher Frisur, welchem Schmuck? Spätestens hier wird klar: Es ist eine persönliche Reise, aber keine einsame.
Denn wir dürfen uns Beraterinnen und Berater suchen – und dabei wählerisch sein. Welche Verkäuferin berät mich so, dass meine Kleider mich zum Strahlen bringen? Welcher Friseur sucht wirklich nach Schnitt und Farbe, die zu mir passen? Welche Freundinnen stärken mich, bringen mich zum Lachen, lassen mich aufrechter gehen? Ein deutliches Empfinden für unseren Körper, unsere Grenzen, Stärken und Schwächen, unseren Humor, unsere besonderen Eigenschaften – all das brauchen wir, um uns als die Frau zu fühlen, die wir sind, als Weib und Frau mit unserer ganz eigenen Attraktivität. Vielleicht ist die Antwort auf die Eingangsfrage ja, dass dies nicht „noch“, sondern erst mit 40 (plus) möglich ist.
Erst dann, wenn wir uns mit dem Frausein lange genug auseinandergesetzt haben und natürlich zwangsläufig auch mussten und uns von innen heraus auch außen sichtbar attraktiv und so richtig weiblich fühlen. Ja, wir glauben wirklich, dafür brauchen Frauen ein paar Jahre. Jedenfalls in unserer Welt der retuschierten und perfektionierten Vorbilder. Denn so sehr sich junge Frauen auch sexy geben und kleiden – fühlen sie sich wirklich so? Oder sind sie nicht auch allzu oft getrieben von dem Druck, äußeren Ansprüchen zu genügen?
Wir „reifen“ Ladys hatten doch zumindest schon ein wenig mehr Zeit für die Reise zu uns selbst... Und dann wird es immer schöner und selbstverständlicher, jeden Tag eine tolle Frau zu sein.
Für sich selber. Mit anderen Frauen. Zur Freude der Männer ;-)
Kommentare (0)